lina

 

Diese Seite zu schreiben ist für mich sehr schwierig. Ich bin voller Trauer, Schmerz und Sehnsucht nach meiner Lina. 

Es begann alles ca. Anfang Januar 2003. Lina hatte sich verändert. Sie sah sehr blass aus, hatte kaum Appetit und war von heute auf morgen sehr verschlossen .Ich konnte es mir nicht erklären, warum sie sich so verändert hatte. Wir hatten (immer noch) ein sehr enges Verhältnis ,denn ich war nicht nur die „Mama" für Lina, sondern auch eine gute Freundin. Sie hat mir alles erzählt (denke ich mir jedenfalls ),und wenn nicht ist das auch Ok, denn Geheimnisse sind auch etwas wichtiges. Jeden Tag machte ich mir mehr Sorgen. Irgendetwas musste vorgefallen sein, was sie keinem erzählen wollte oder konnte. Ich habe dann mit der Klassenlehrerin gesprochen, ob sie uns helfen könnte, herauszufinden, was unserer Lina zu schaffen machte. Auch die Kita wurde informiert. Ich war ständig in Kontakt mit allen, die Lina um sich hatten. Die Klassenlehrerin führte mit Lina „Einzelgespräche", denn ich wurde das Gefühl nicht los, das etwas auf dem Schulweg passiert ist oder auf dem Weg zur Kita. Nach einem Gespräch mit Evelyn (Kitaleiterin), der die Situation auch sehr heikel vorkam, beschloss ich eine "Spieltherapie" zu machen ,in der Hoffnung das Lina sich dort öffnet. Zuvor wollte ich bei der Kinderärztin abklären lassen, ob sie gesundheitlich in Ordnung ist. Ich machte einen Termin und schilderte ihr Lina ihren Zustand. Daraufhin sagte sie zu mir :" Sie sind ja auch kein südländischer Typ und schlank sind sie auch!". Ich bestand aber auf eine Blutuntersuchung. Als die Ärztin Lina Blut abnahm ,weinte meine Große und die Ärztin hatte nicht's besseres zu tun, als Lina zu sagen,:" Bedanke Dich bei Deiner Mama, sie wollte das, und nicht ich!". Lina's Zustand verschlechterte sich. Sie schlief Nachts sehr schlecht und die Lippen ,sowie die Beine kribbelten und der Rücken tat ihr weh. Außerdem fingen die Zähne an zu wackeln. Der Zahnarzt konnte es nicht erklären, warum die Zähne wackeln. Die Rückenschmerzen wurden immer schlimmer. Lina konnte schlecht laufen. Schlafen ging gar nicht, da sie sich nicht mehr hinlegen konnte. Sie lief auf und ab. Am Donnerstag, den 20.02.2003 bin ich mit ihr ins Krankenhaus gefahren,da sie mittlerweile zu den Rückenschmerzen auch Fieber bekam. Im Krankenhaus sah man mich bloß entsetzt an, als ich denen mitteilte was mit Lina ist. Die Ärztin untersuchte Lina und sagte zu mir:" Da könne sie auch nichts machen, wir sollten doch zum Orthopäden gehen". Sie gab Lina noch ein Schmerzmittel und wir sind wieder nach Hause gefahren. Am nächsten Tag bin ich wieder zur Kinderärztin und teilte ihr mit das , die Rückenschmerzen immer schlimmer werden, denn Lina konnte nicht mehr aufrecht laufen. Sie musste Urin abgeben und man sagte mir dann das sie eine Blasenentzündung hätte. Ich habe das alles nicht verstanden, was hatte das mit den Schmerzen im Rücken zu tun? Ich fragte die Ärztin :"Und was ist mit den Rückenschmerzen?", sie sagte, dass sie da auch nichts machen könnte ,ich soll doch zum Orthopäden gehen. Lina bekam ein Antibiotika und wir sind wieder nach Hause gefahren. Zu Hause weinte Lina vor Schmerzen und ich dachte ,wenn erst einmal das Antibiotika wirkt, wird sie keine Schmerzen mehr haben. Das war aber nicht so!!! Am Samstag, den 22.02.2003 sind wir dann wieder ins Krankenhaus gefahren. Wieder schilderte ich alles. Der Arzt sagte mir dann, das Lina hier bleiben müsste um abzuklären, was es ist, aber sie hätten kein Bett mehr frei und schickte uns dann zum Orthopäden (im Krankenhaus). Der sagte uns ( er hat sich Lina nur angesehen!!!!!),das Lina eine Blockade im Rücken hätte und das er so etwas noch nie gesehen hätte, denn normaler weise haben das nur Erwachsene!. Bei einem Erwachsenen würde ich „Quaddeln", aber bei ihrer Tochter geht es nicht, da sie zu jung ist. Also bin ich mit meinem weinenden Kind wieder nach Hause gefahren. Am Montag,den24.02.2003 bin ich dann gleich morgens mit ihr zum Orthopäden gefahren. Er hat Lina geröntgt und sie eingerenkt, weil sie eine angebliche „Blockade" hatte. Als wir wieder nach Hause kamen, ging es ihr etwas besser, sie konnte sich wieder hinlegen. Ich war froh darüber und dachte, das jetzt wieder alles Ok sei, aber dem war nicht so. Am Mittwoch, den 26.02.2003 wurde sie ein zweites Mal „eingerenkt". Ihr ging es danach so schlecht, wie nie zuvor. Sie hat vor Schmerzen geschrien und ich wußte nicht, was ich noch machen sollte. Am Abend fuhr dann mein Mann und Pitty (meine Tante) in ein anderes Krankenhaus. Lina wurde gleich aufgenommen. Sie hatte eine Blutarmut und die Rückenschmerzen gaben den Ärzten zu denken. Ich bin dann gleich ins Krankenhaus gefahren und blieb bei Lina. Am Donnerstag, den 27.02.2003 wurde bei Lina eine „Kernspinto" gemacht. Ich wußte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wozu diese ist. Ich wunderte mich nur, weil auf einmal so viele Ärzte kamen. Sie teilten mir mit, das Lina „Krebs" hat. Ich fing an zu weinen und war vollkommen fertig. Sie sagten mir ,das Lina einen großen Tumor in der Wirbelsäule hat und dieser drückt auf das Rückenmark. Wir wurden dann sofort verlegt, in ein anderes Krankenhaus ,was spezialisiert ist auf „Krebs bei Kindern". Dort kamen wir um 15.00 Uhr an.

Es dauerte nicht lange und Lina wurde operiert. Ihr wurde der Tumor aus der Wirbelsäule entfernt und ein Hauptkatheter gelegt. Das Warten war das schlimmste. Die Op dauerte 7 Stunden. Der Tumor war entfernt und wir dachten, dass es jetzt Berg auf geht und die Chemotherapie beginnen kann. Am nächsten Tag stellte sich jedoch heraus ,dass Lina die Beine nicht bewegen konnte. Also wurde sie ein zweites Mal operiert, da sich ein „Blutgerinnsel" gebildet hatte. Diese Op dauerte wieder 6 Stunden. Nach der zweiten Op konnte sie ihre Beine wieder bewegen und wir sind einige Tage später auf die Onkologie (Krebsstation) verlegt worden. Dort begann gleich die Chemotherapie (der erste Block von sechs). Sie hatte noch starke Rückenschmerzen durch die Op ,aber soweit ging es ihr ganz gut. Nach vier Tagen Chemotherapie fingen die Halsschmerzen an und sie konnte nicht mehr so gut essen. Wir dachten uns ,das dieses normal ist, denn es können Nebenwirkungen von der Chemotherapie auftreten. Am 12.03.2003 durften wir dann Nachmittags nach Hause. Wir haben uns so sehr gefreut. Lina hatte Schwierigkeiten im Auto zu sitzen, denn der Rücken tat ihr noch sehr weh. Sie war so glücklich zu Hause zu sein, wieder ihr Zimmer zu sehen und vor allem ihren Bruder wieder in die Arme zu schließen. Am Abend bekam Lina Fieber und sie hatte sehr starke Halsschmerzen. Noch nicht einmal, das Eis hat ihr geholfen. Also rief ich im Krankenhaus an und man sagte mir, wenn das Fieber nicht steigt, sollen wir den nächsten Tag in die Tagesklinik kommen. Die Nacht war so schlimm, Lina hat nur geweint. Am nächsten morgen sind wir dann wieder ins Krankenhaus gefahren , wo wir gleich wieder stationär aufgenommen wurden. Die Diagnose war, dass die Schleimhäute im Mundbereich und der Speiseröhre kaputt waren. Sie konnte kaum noch schlucken und bekam gegen die Schmerzen „Morphin". Nach einigen Tagen bekam sie „Einblutungen" in den Augen und es sammelte sich Wasser im Körper an. Lina die einst so schlank war, sah nun richtig aufgequollen aus. Als sich ihr Zustand verschlechterte musste wir auf die Intensivstation. Ihre Haut war so empfindlich( besonders an Händen und Füßen), dass sie bei der leichtesten Berührung schrie. Ich fragte den Arzt :"Woher das kommt?" und er sagte ,dass es von der MTX (ein Teil von der Chemo ) kommt. Nun stand wieder eine kleine Op an, denn Lina hatte mit der Atmung Schwierigkeiten. Es hatte sich in der Zwischenzeit Wasser im Brustkorb gelagert, sodass die eine Lungenhälfte nicht optimal arbeiten konnte. Es wurde „punktiert", die Ärzte haben 400ml Flüssigkeit entnommen. Nun war auch der Zeitpunkt gekommen und Lina fielen die Haare aus. Es war schlimm für sie und auch für mich, aber ich habe ihr dann ein Tuch um gemacht, damit sie sich wohler fühlte .Nun kam das nächste Problem dazu, das Lina sich laufend übergeben musste (sie hat Blut erbrochen). Der Arzt bat mich um ein Gespräch und ich merkte in diesen Moment, dass es nichts gutes bedeutet. Er sagte mir, dass Lina sehr schwer krank ist und die nächsten Tage entscheiden würden, ob Lina das überlebt. Für alle brach eine Welt zusammen, wir waren fix und fertig, aber wir haben alle gesagt :"Das schafft unsere Süße!!!". Sie hat es auch geschafft, denn wir wurden einige Tage später wieder auf die Onkologie (Krebsstation) verlegt. Ich sagte zu Lina: „Ich bin so stolz auf Dich, jetzt geht es Berg auf und wir können bestimmt bald nach Hause". Es ging ihr dann auch einige Tage ganz gut. Ihre Haut an Händen und Füßen löste sich durch die MTX und sie hatte neue Haut bekommen, sie fühlte sich ,wie „Babyhaut" an. Noch immer bekam Lina „Morphin", aber es wurde immer mehr runter gesetzt, denn es hatte Nebenwirkungen (die Darmtätigkeit wurde lahmgelegt). Da sie keinen Stuhlgang hatte wurde des öfteren ein Darmrohr gelegt, aber leider hatten diese Eingriffe keinerlei Erfolg, außer unendliche Schmerzen! Die Nächte waren furchtbar, denn Lina hatte so starke Bauchschmerzen, das sie nur weinte. Sie konnte weder liegen noch sitzen .Es war schlimm für mich, denn ich konnte ihr nicht helfen!!!!!Der Bauch schwoll immer mehr an und die Ärzte sagten mir, dass sie Lina wieder verlegen möchten auf die Intensivstation. Lina und ich weinten, denn wir waren beide mit unseren Nerven am Ende, denn es waren mittlerweile 5 Wochen die wir im Krankenhaus waren. Auf der Intensivstation wurden die Medikamente umgestellt. Lina hatte starke Schmerzen im Bauch und durch das viele Erbrechen ging es ihr sehr schlecht. Der Bauchumfang betrug ca.64 cm. In der Nacht vom 06.04.03 zum 07.04.03 wurde Lina eine Magensonde gelegt. Es ging ihr dann viel besser und sie zeigte jeden, wie die grüne Flüssigkeit (Magensäure, Galle) durch ihre Magensonde schoss, um in den Beutel zu gelangen. Nach einiger Zeit klebten wir den Schlauch zu, weil Lina nur noch schielte um alles zu sehen. Sie blühte richtig auf. Der Bauchumfang wurde weniger und Lina sah schon fast wieder normal aus. Ich sagte dann zu ihr :" Wenn wir Glück haben, sind wir Ostern zu Hause ". Lina reagierte aber nicht auf das, was ich sagte. Mittlerweile, weiß ich auch warum!! Lina ging es am 08.04.2003 nicht mehr so gut, denn vor einigen Tagen wurde das „Morphin" abgesetzt und sie bekam wieder sehr starke Schmerzen im Bauchbereich. Also setzten die Ärzte das „Morphin" wieder an. Ich verstand die Welt nicht mehr. Am 09.04.2003 ist der Bauch wieder angeschwollen und wir wusste nicht warum. Der 10.04.2003, war ein beschie.... Tag. Lina hat viel geschlafen, teilweise hatte sie die Augen auf, aber sie reagierte nicht, wenn ich sie ansprach. Es kam mir vor als wenn sie im sogenannten „Wachkoma" lag. Bei der Visite stellten die Ärzte fest, dass Lina ihr Bauch ,fest und rot ist. Es deutete daraufhin, dass Lina eine Blutvergiftung hat und es folgte eine Not- Op . Als ich Lina mitteilte, dass sie operiert wird, sagte sie mir:" Ich möchte nicht mehr operiert werden!!",und ich sagte ihr , obwohl es mir sehr schwer gefallen ist :"Wenn Du keine Kraft mehr zum kämpfen hast, dann gehe, ich bin dir auch nicht böse!!". Kurz danach begleitete ich Lina in dem Vorraum zum Op und sie war sehr aufgewühlt. Nun standen uns wieder einige Stunden voller Angst, Verzweiflung und Hoffnung bevor. Nach 6 Stunden war die Op vorbei, Lina hat alles gut überstanden. Als der Arzt mit uns sprach, sind wir fast zusammen gebrochen. Er teilte uns mit, dass Lina ihr kompletter Darmbereich kaputt sei. Die Schleimhäute sind kaputt und haben riesengroße Löcher reingefressen. Sie mussten fast den kompletten Dünndarm und ein Stück vom Dickdarm entfernen. Der Darmausgang mussten nach außen verlegt werden. Außerdem konnten sie den Bauch nicht schließen, da der Darm so angeschwollen war (der Bauch war offen und es war ein „Pad" drinnen). Außerdem hatte sie einen „Tubus" ,der die Atmung unterstützte. Als wir dann zu Lina gegangen sind, waren unsere Augen voller Tränen und Verzweiflung. Sie sah so schlimm aus . Das Gesicht war geschwollen, und die vielen Schläuche und der Tubus ließen sie ganz anders aussehen. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch selbstständig geatmet. Am nächsten Tag machten sie eine Bronchoskopie, da Lina ihre Atmung immer schlechter wurde. Die Ärzte vermuteten, ähnlich wie im Darm, dass die Lunge auch Löcher haben könnte. Leider konnte man dieses nicht durch die Bronchoskopie sehen. Also stand wieder ein Op an. Diese Op dauerte auch wieder über 6 Stunden. Diesmal hatten wir alle kein gutes Gefühl, denn ihr Zustand war nicht der beste. Nach der Op kamen die Ärzte zu uns und sagten ,dass in Lina's Körper ein Chaos ist. Sämtliche Schleimhäute waren kaputt und haben Löcher hervor gerufen. Die komplette Speiseröhre musste entfernt und geschlossen werden. Der Magen hatte Löcher. Die Lunge war regelrecht durchschossen mit Löchern und die Speiseröhre war auch kaputt. Die Ärzte versuchten soweit es in ihrer Macht stand die Löcher zu reparieren. Sie sagten uns, dass sie so etwas noch nie zuvor gesehen haben und das die nächsten Stunden oder Tage ,darüber entscheiden werden, ob Lina das überlebt. Nach dieser Operation atmete Lina nicht mehr selbstständig!! Wir fanden die Situation für uns ,aber hauptsächlich für unsere Lina unerträglich. 

12.04.2003 um 6.00 Uhr dachten wir, dass Lina jetzt von uns geht, denn der rechte Lungenflügel ist zusammen gefallen und die Atmung wurde immer schwieriger für Lina. Ich rief alle an und sagte das Lina bald sterben würde. Mein Mann sagte dann zu mir :"Warum muss sie sich so quälen ,sie soll nicht mehr kämpfen, sie soll gehen und keine Schmerzen mehr haben?" Ich sagte ihm, das wird sie auch, aber nicht jetzt, denn es scheint die Sonne und die Vogel singen, erst wenn es dunkel wird und ihr Stern leuchtet dann geht sie!!! So saßen wir bei Lina und warteten auf das was nun passieren würde. Natürlich hatten wir alle die Hoffnung, das sie es schafft .Ich sagte ihr mehrmals, das sie gehen könnte und ich ihr nicht böse sei, aber sie kämpfte weiter. Warum sollte sie auch gehen, sie hatte so ein wunderschönes Leben gehabt, bevor sie den Krebs bekommen hatte. Auch habe ich sie angelogen und ihr gesagt, dass Maxe, Oma-Oma und Stefan da waren, aber sie hätte gerade geschlafen, denn es waren die einzigsten die nicht bei Lina waren. Sie wollte ihren Bruder so gerne wiedersehen. Ich möchte nicht alles im Detail schildern, weil es mir sehr weh tut. Lina machte dann um 21.00 Uhr die Augen zu und die Ärztin wünschte ihr eine gute Reise.

 

Dieses Foto ist am 07.04.2003  erstellt worden , fünf Tage bevor Lina  gestorben ist.
Als ich dieses Foto gemacht habe , ging es Lina relativ gut  (dachte ich jedenfalls )  und ich hoffte, dass wir Ostern zusammen zu Hause verbringen könnten. Ich habe in den sechs Wochen einige Fotos gemacht , weil Lina mich darum gebeten hatte , um es später Mal  ihren Klassenkameraden zu zeigen , wie die Zeit im Krankenhaus war.